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John Dewey - Mein pädagogischer Glaube IV

John Dewey

Artikel vier: Die Natur der Methode

Ich glaube, daß die Frage der Methode letztlich auf die Frage nach dem Ablauf der Entwicklung der Fähigkeiten und Interessen des Kindes zurückgeführt werden kann. Die Gesetzmäßigkeiten, die der Präsentation und Behandlung des Stoffes zugrundeliegen, entsprechen den Gesetzmäßigkeiten, die der kindlichen Natur innewohnen. Weil es sich so verhält, glaube ich, daß die folgenden Aussagen von größter Wichtigkeit zur Bestimmung der Geisteshaltung sind, mit der Erziehung vonstatten geht:

1.

Ich glaube, daß bei der Entwicklung der Natur des Kindes die aktive Seite der passiven vorausgeht; daß Ausdruck vor bewußt erfahrenem Eindruck steht; daß die Entwicklung der Muskeln der Sinnesentwicklung vorausgeht; daß Bewegungen vor bewußten Empfindungen kommen; ich glaube, daß Bewußtsein wesentlich motorisch oder impulsiv ist, und daß bewußte Zustände sich in Form von Tätigkeiten ausdrücken.


Ich glaube, daß der Grund für einen Großteil der Vergeudung von Zeit und Kraft bei der Schularbeit in der Vernachlässigung dieses Prinzips liegt. Das Kind wird in eine passive, rezeptive oder aufnehmende Haltung gezwungen. Die Umstände gestatten ihm nicht, sich seiner Natur gemäß zu verhalten; das Ergebnis ist Reibung und Verschwendung.


Ich glaube, daß auch Vorstellungen (verstandes- und einsichtsmäßige Vorgänge) aus Handlungen hervorgehen und sich zum Zweck einer besseren Handlungskontrolle entwickeln. Was wir "Verstand" nennen, ist vor allem das Regelwerk für eine geordnete oder wirksame Handlungsweise. Der Versuch, die Verstandes- und Urteilskräfte zu entfalten, ohne Bezug auf die Auswahl und Anordnung von Mitteln im Handlungszusammenhang, ist der grundlegende Fehler der gegenwärtigen Methode, die sich mit diesen Angelegenheiten befaßt. So stellen wir dem Kind willkürlich Symbole vor Augen. Symbole sind für die geistige Entwicklung notwendig, aber sie haben ihren Platz als Werkzeuge zur Ersparnis von Anstrengung; für sich genommen bilden sie eine Masse von bedeutungsleeren, willkürlichen und von außen gesetzten Ideen.

2.

Ich glaube, daß das Bild das beherrschende Mittel des Unterrichts ist. Was ein Kind von einer Sache mitbekommt, die man ihm vorstellt, sind einfach die Bilder, die es sich davon macht.


Ich glaube, daß die Mühe des Unterrichts unendlich leichter gemacht werden könnte, wenn neun Zehntel der Energie, die gegenwärtig darauf verwandt wird, daß die Kinder bestimmte Dinge lernen, stattdessen aufgewandt würde, um dafür zu sorgen, daß die Kinder sich richtige Bilder machen.


Ich glaube, daß viel Zeit und Mühe, die gegenwärtig der Vorbereitung und Durchführung von Unterrichtslektionen gewidmet wird, sinnvoller und klüger dafür aufgewandt wären, die bildliche Vorstellungskraft des Kindes zu üben und darauf zu achten, daß es dauerhaft klare, lebendige und ausbaufähige Bilder über die verschiedenen Sachgebiete bilden lernt, mit denen es bei seiner Erfahrung in Berührung kommt.

3.

Ich glaube, daß Interessen die Zeichen und Symptome zunehmender Macht sind. Ich glaube, daß sie heraufdämmernde Fähigkeiten repräsentieren. Aus dieser Sicht ist es für den Erzieher von höchster Bedeutung, Interessen dauernd und sorgfältig zu beobachten. Ich glaube, daß diese Interessen als Anzeiger des Entwicklungsstandes des Kindes begriffen werden müssen.


Ich glaube, daß sie eine Voraussage des Stadiums geben, in das ein Kind einzutreten sich anschickt.


Ich glaube, daß der Erwachsene nur durch dauernde und einfühlsame Beobachtung der Interessen der Kindheit in das Leben eines Kindes eintreten und sehen kann, wozu es reif ist, und mit welchem Material es am leichtesten und fruchtbringendsten arbeiten kann.


Ich glaube, daß diese Interessen weder geduldet noch unterdrückt werden dürfen. Ein Interesse unterdrücken heißt, den Erwachsenen an die Stelle des Kindes sezen, und damit die Neugier des Intellekts und die Aufgewecktheit zu schwächen, den Zugriff auf die Welt zu lähmen und das Interesse zum Absterben zu bringen. Ein Interesse dulden heißt, das Vorübergehende an die Stelle des Dauerhaften setzen. Das Interesse ist stets Zeichen einer ihm innewohnenden Kraft; es kommt darauf an, diese Kraft zu entdecken. Interesse dulden heißt, nicht unter die Oberfläche schauen, und sein sicherstes Ergebnis ist der Ersatz des echten Interesses durch Laune und Wechselhaftigkeit.

4.

Ich glaube, daß die Gefühle ein Reflex von Handlungen sind.


Ich glaube, daß das Bestreben, Gefühle ohne die mit ihnen zusammenhängenden Tätigkeiten hervorzurufen oder zu wecken, darauf hinausläuft, einen ungesunden und morbiden Geisteszustand zu erzeugen.


Ich glaube, daß die Gefühle sich von selbst einstellen, wenn es uns gelingt, die richtigen Gewohnheiten im Handeln und Denken, mit Bezug auf das Gute, Wahre und Schöne zu etablieren.


Ich glaube, daß unsere Erziehung, nach Langeweile und Trivialität, Formalismus und Routine, durch kein anderes Übel so sehr gefährdet ist wie durch Sentimentalität.


Ich glaube, daß diese Sentimentalität das notwendige Ergebnis des Versuchs ist, Gefühl und Tätigkeit voneinander zu trennen.

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Übersetzung ins Deutsche: Helmut Schreier Den amerikanischen Originaltext finden Sie hier.


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