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John Dewey - Mein pädagogischer Glaube V

John Dewey

Artikel fünf: Schule und sozialer Fortschritt

Ich glaube, daß die grundlegende Methode für Reform und sozialen Fortschritt die Erziehung ist.


Ich glaube, daß alle Reformen, die lediglich auf Gesetzesbestimmungen oder auf bestimmten Strafandrohungen oder auf Veränderungen äußerlicher und mechanischer Arrangements beruhen, von vorübergehender Natur und letztlich vergeblich sind.


Ich glaube, daß die Erziehung eine Regulative des Prozesses darstellt, bei dem der einzelne am sozialen Bewußtsein teilhat, und daß die Anpassung des individuellen Verhaltens auf der Grundlage des sozialen Bewußtseins den einzig sicheren Weg zum sozialen Umbau (Rekonstruktion) bietet.


Ich glaube, daß diese Auffassung die Ideale des Individualismus und des Sozialismus berücksichtigt. Sie ist individualistisch, weil sie die Bildung eines bestimmten Charakters als einzig echte Grundlage des richtigen Lebens anerkennt. Sie ist sozialistisch, weil sie anerkennt, daß diese Charakterbildung nicht am individuellen Begriff, Beispiel oder Aufruf sich ereignet, sondern durch den Einfluß einer bestimmten Form des institutionellen oder Gemeinschaftslebens auf das Individuum, und daß der soziale Organismus in der Lage ist, über die Schule als sein Werkzeug ethisches Verhalten zu bestimmen.


Ich glaube, daß wir in der idealen Schule eine Versöhnung der individualistischen und gemeinschaftlichen Ideale antreffen.

Ich glaube, daß die Verpflichtung der Gemeinschaft zur Erziehung deshalb deren größte moralische Pflicht ist. Durch Gesetze und Strafen, durch Propaganda und Diskussion kann eine Gesellschaft sich selbst regulieren und darauf hinarbeiten, sich auf eine mehr oder weniger zufallsabhängige Weise zu bilden. Aber über Erziehung vermag eine Gesellschaft ihre eigene Zielsetzung zu formulieren, sie kann ihre eigenen Mittel und Ressourcen organisieren und sich auf diesem Wege deutlich und effektiv selbst in die Richtung bilden, die ihr vorschwebt.

Ich glaube, daß es unmöglich ist, die Ressourcen an Zeit, Aufmerksamkeit und Geld zu überschätzen, die den Erziehern zur Verfügung gestellt werden, wenn eine Gesellschaft erst einmal die Möglichkeiten erkannt hat, die in dieser Richtung liegen, und die Verpflichtungen, die ihr diese Möglichkeiten auferlegen.


Ich glaube, es ist Sache eines jeden, der mit Erziehung befaßt ist, darauf zu bestehen, daß die Schule das primäre und wirksamste Mittel für sozialen Fortschritt und Reform ist, damit die Gesellschaft die Bedeutung der Schule erkennt und den Erzieher mit dem ausstattet, was nötig ist, um seine Arbeit ordentlich auszuführen.

Ich glaube, daß Erziehung in dem dargestellten Sinn die beste und nächste Verbindung von Wissenschaft und Kunst darstellt, die der menschlichen Erfahrung zugänglich ist.

Ich glaube, daß die Kunst, den menschlichen Kräften Form zu geben und sie in den Dienst an der Gemeinschaft zu stellen, die höchste Kunst ist; eine, die der besten Künstler bedarf; daß kein Einsichtsvermögen, kein Einfühlungsvermögen, kein Taktgefühl, keine Durchsetzungskraft für diesen Dienst zu groß ist.


Ich glaube angesichts des Anwachsens der Psychologie, die uns Einsichten in die Strukturen und Gesetzmäßigkeiten des Wachstums gibt, und angesichts des Anwachsens der Sozialwissenschaften, die unser Wissen über die angemessene Organisation von Individuen vermehren, daß alle wissenschaftlichen Quellen für die Zwecke der Erziehung nutzbar gemacht werden können.


Ich glaube, daß das stärkste Motiv für menschliches Handeln dann erreicht sein wird, wenn Wissenschaft und Kunst sich verbinden, - dann werden die tiefsten Quellen menschlichen Verhaltens geweckt und die besten Leistungen der menschlichen Natur treten zutage.

Ich glaube schließlich, daß der Lehrer nicht allein damit befaßt ist, Individuen auszubilden, sondern damit, das richtige soziale Leben zu bilden.


Ich glaube, daß jeder Lehrer die Würde seines Berufs kennen sollte; er steht nämlich im Dienst der Gemeinschaft mit dem Auftrag, die richtige soziale Ordnung zu erhalten und das richtige soziale Wachstum zu sichern.


Ich glaube, daß der Lehrer damit der Prophet des wahren Gottes ist und der Türsteher des wahren Königreichs Gottes.

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Übersetzung ins Deutsche: Helmut Schreier Den amerikanischen Originaltext finden Sie hier.


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