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Erfolg von Gruppenarbeit

Wie kann man den Erfolg von Gruppenarbeit erklären?

  • Motivationstheorien
  • Kognitiv orientierte Entwicklungstheorien
  • Kognitive Elaborationstheorien

 Motivationstheorien betonen die Ziel- und Belohnungsstrukturen kooperativen Lernens. Man kann unterscheiden zwischen:

  • Belohnung von Gruppenprodukten
  • Belohnung der Gruppe mit den höchsten Lernzuwächsen aller Gruppenmitglieder.

Die zweite Belohnungsstruktur ist bei weitem wirksamer (Slavin)

Nach den kognitiv orientierte Entwicklungstheorien ist es bedeutsam, die Anforderungen und Aufgaben für den Schüler seinen kognitiven Möglichkeiten anzupassen. Zusammenarbeiten ist entwicklungsförderlich, weil gleichaltrige Kinder wahrscheinlich innerhalb der Zone der nächsthöheren Entwicklung der Kinder agieren können.

Nach den kognitive Elaborationstheorien kommt es darauf an, dass Schüler die zu lernenden Inhalte mit bereits verankerten Inhalten verbinden und damit auch tiefer verarbeiten. Durch hörbare Artikulation von neuem Stoff wird Vorwissen aktualisiert oder neu strukturiert. Daher ist es besser, gelesene Texte mit eigenen Worten zu formulieren als Bemerkungen an den Rand zu schreiben.

Welche Faktoren sind für den Erfolg kooperativen Lernens entscheidend?

Bedeutsam sind:Mitteilung der Ziele und individuelle Verantwortungsübernahme. Beim reziproken Peer-Tutoring  erwiesen sich Belohnung + strukturierte Erarbeitung (strukturierte Erarbeitung von Inhalten, Korrektur von Fehlern und Wechseln der Rollen) als besonders effektiv.

Welche Schülerinnen und Schüler profitieren am meisten?

Nach Slavin 1991 und Stevens & Slavin 1993 profitieren die Schülerinnen und Schüler  im oberen Drittel am meisten. Andere Studien zeigten, dass Schülerinnen und Schüler aller Leistungsgruppen in gleichem Umfang gegenüber den Kontrollgruppen profitierten.

Welche Aspekte kooperativer Methoden sind kritisch?

Kritische Punkte sind:

  • Die Motivierung der Gruppe durch Belohnung
  • Die Auswahl von Gruppenaufgaben
  • Die Notwendigkeit eines Trainings für Gruppenarbeit
  • Die Berücksichtigung individueller Verarbeitungsstile (Gewissheitsorientierung)

 Die Motivierung der Gruppe durch Belohnung:

Extrinsische Belohnungen für Produkte führen nicht dazu, dass alle Gruppenmitglieder sich für das Resultat verantwortlich fühlen und gegenseitig unterstützen. Effektiv sind Maßnahmen, die die Leistungsverbesserung aller Gruppenmitglieder belohnen.

In leistungsheterogenen Gruppen besteht ein Ungleichgewicht von Geben und Nehmen. Dieses Ungleichgewicht ergibt sich nicht bei Aufgaben, die sich nur durch Kooperation lösen lassen. Die Belohnung besteht dann darin, anderen die Lösung des Problems zugänglich zu machen.

In leistungsheterogenen Gruppen wird von besseren Schülerinnen und Schülern Druck auf schwächere ausgeübt.

Methoden kooperativen Handelns sind dann wirksam, wenn sie das Interesse der Gruppe am individuellen Lernerfolg des einzelnen Gruppenmitglieds belohnen. Auch bei der Erarbeitung von Inhalten durch verständiges Lesen und Diskussion in Expertengruppen spielt diese Form des Belohnens eine zentrale Rolle. Bedeutsam ist auch die Auswahl interessanter Themen oder Projekte.

Die Auswahl von Gruppenaufgaben:

Nicht alle Themen und Inhalte eignen sich für Gruppenarbeit. Es ist also bedeutsam, geeignete Aufgabenstellungen für Gruppenarbeit zu identifizieren. E.G. Cohen (1994) vertritt die These, dass sich Gruppenarbeit besonders gut für schlecht strukturierte, offene Aufgaben oder echte Problemlöseaufgaben eignet, da  die Lösung solcher Aufgaben ein hohes Maß an Interaktion erfordert. Gut strukturierte Aufgaben sind für sie Aufgaben, für die Lösungen existieren und deren Inhalte zuvor gemeinsam im Unterricht erarbeitet wurden (Übungsaufgaben).

Gruppenarbeit ist besonders effektiv, wenn es zu begriffs- und verständnisorientiertem Lernen kommt, bei dem Schülerinnen und Schüler untereinander Ideen, Hypothesen, Spekulationen und Strategien austauschen.

Schüler müssen auf ein angemessenes Verhalten in Gruppen vorbereitet werden. Möglicherweise müssen metakognitive Techniken und Strategien eingeübt werden.

Lehrerinnen und Lehrer müssen für die anspruchsvolle Nutzung von Gruppenarbeit ausgebildet werden. Durch Modellieren und Hospitieren und unter Anleitung erfahrener Lehrerinnen und Lehrer müssen sie positive Erfahrungen sammeln.

Die Notwendigkeit eines Trainings für Gruppenarbeit:

Schülerinnen und Schüler können in der Regel nicht ohne entsprechendes Training gut miteinander kooperieren. Sie müssen lernen, dass es zur Lösung einer Aufgabe erforderlich ist, Ziele zu spezifizieren, Vorgehensweisen zu planen, Alternativen zu erzeugen und zu diskutieren, Pläne und Lösungsskizzen aufzustellen und Lösungen im Sinne der Ziele und Vorgehensweisen zu kontrollieren. Hierbei kann die Verteilung von Rollen helfen, wobei die Erfüllung der einzelnen Rollen genau spezifiziert werden sollte.

Viele Schülerinnen und Schüler müssen auch lernen, angemessen um Hilfe zu bitten oder Hilfe zu geben. Hierbei besteht die Hilfe nicht in der Präsentation des Ergebnisses, sondern darin, dem Anderen den Weg zur Problemlösung mit eigenen Worten zu vermitteln, so dass dieser von dem Hilfesuchenden verstanden und nachvollzogen werden kann. Für den Helfer entsteht so eine vertiefende Verknüpfung und Verankerung von Wissen. Schwächere Schülerinnen und Schüler profitieren häufig von der (vereinfachenden) Sprache der Mitschüler.

Die Berücksichtigung individueller Verarbeitungsstile (Gewissheitsorientierung)
   Gewissheitsorientierte Schülerinnen und Schüler meiden offene Lernsituationen und bevorzugen klar strukturierte und überschaubare Settings. In Situationen, die offen im Blick auf Prozess und Ergebnis sind und Entscheidungen verlangen, fühlen sie sich nicht wohl. Sie werden demnach weniger von der Gruppenarbeit profitieren.

Was sollten Lehrerinnen und Lehrer beachten?

Gute Gruppenarbeit stellt hohe Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer und Schülerinnen und Schüler. Dieser Komplexität muss durch sorgfältige Planung und konsequentes Einüben Rechnung getragen werden. Die Komplexität zeigt sich in Folgendem:

  • Es gibt nicht eine einzige Methode der Gruppenarbeit, sondern viele verschiedene Methoden. Anwendungsbereiche für kooperative Lernmethoden sind: a) Die Nachbereitung von Inhalten des Unterrichts (z.B. Gruppenralleye), b) die Erledigung kleiner Suchaufgaben, c) unstrukturierte, offene Probleme (z.B. Gruppenpuzzle).
  • Gruppenarbeit muss gelernt und eingeübt werden. Lehrerinnen und Lehrer müssen beobachten, Rückmeldungen geben und mit den Schülerinnen und Schüler gemeinsam Vorgehensweisen kooperativen Verhaltens besprechen und Erarbeiten.
  • Gruppen sollten für die Lernzuwächse aller Gruppenmitglieder und nicht alleine für das Gruppenprodukt belohnt werden.
  • Die in der Gruppenarbeit zu bearbeitenden Aufgaben sollten möglichst für alle Gruppenmitglieder im Rahmen der Zone der nächsten Entwicklung liegen. Dies trifft insbesondere auf Methoden der Nachbereitung und tieferen Durchdringung von Unterrichtsinhalten zu.
  • Der Lehrer muss sich auch bei Gruppenarbeit für den Lernerfolg verantwortlich fühlen. So kann es z.B. nötig sein, dass die Lehrkraft  nach (längeren) Präsentationen der Schülerinnen und Schüler die wichtigsten punkte wiederholt, Sachverhalte klar stellt und vertiefende Aufgaben stellt (z.B. durch schriftliche Zusammenfassungen). 

Was hilft beim Einstieg in kooperatives Lernen?

Es erscheint sinnvoll, in jedem Kollegium  Lehrerinnen und Lehrer ausfindig zu machen, die Gruppenarbeit häufiger anwenden. Diese können dann Trainingsmethoden entwickeln und ihre Erfahrungen an Kolleginnen und Kollegen weiter geben.

Lehrerinnen und Lehrer sollten mit kleinen und einfachen Übungen beginnen und positive Erfahrungen und Sicherheit gewinnen.

Am Anfang sollten präzise definierte Formen der Gruppenarbeit genutzt werden. So können die Kompetenzen für die traditionelle und komplexe Form der Gruppenarbeit, wie sie häufig propagiert wird, erworben werden.

Gruppenarbeit in ihren „kleineren“ Formen sollte regelmäßig eingesetzt werden und zur normalen alltäglichen Arbeitsweise im Unterricht werden.

Auf der Grundlage von: Martin Wellenreuther, Lehren und Lernen – aber wie?, S. 389ff,  Schneider Verlag-Hohengehren 2007

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